Wir haben eine Strategie für Österreich  > Interview Georg Wailand mit Franz Pinkl

Durch den Einstieg der Österreichischen Volksbanken-AG (ÖVAG) bei der Investkredit- Gruppe wurden die Karten in der heimischen Bankenlandschaft neu gemischt.
Welche strategischen Konsequenzen und Vorteile dieser Deal gebracht hat und in Zukunft weiter bringen wird, erläuterte ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl im Interview mit Dr. Georg Wailand, Herausgeber des Wirtschaftsmagazins GEWINN und stellvertretender Chefredakteur der Kronen Zeitung.

Franz Pinkl (Foto)
Franz Pinkl, Generaldirektor und
Vorsitzender des Vorstandes der
Österreichischen Volksbanken-
Aktiengesellschaft

Wailand: Als mögliche Anteilsveränderungen bei der Investkredit zum Thema in den Medien wurden, schien die ÖVAG bestenfalls in einer Außenseiterrolle zu sein...

Pinkl: Das ist richtig: Die Bank Austria wollte die Mehrheit erlangen und Raiffeisen hatte das Ziel, die Anteile auf 25 % plus eins aufzustocken. Gelungen ist uns diese spektakuläre Unternehmensübernahme nur deshalb, da wir alles generalstabsmäßig vorbereitet hatten. Vor Weihnachten 2004 wurden Verträge mit der Erste Bank, der BAWAG und der Wiener Städtischen unterschrieben, mit denen wir eine Option auf deren Investkredit-Anteile erwarben. Am 28.12. haben wir diesen unerwarteten Schritt den Medien mitgeteilt. Anfang Februar haben wir unsere Option gezogen. Wenig später waren wir mit 45 Prozent größter Einzelaktionär. Danach folgte die Phase intensiver Gespräche mit Bank Austria und RZB. Das Endergebnis ist bekannt: Mitte Juli war der Vertrag fertig – und wir hatten in sehr kurzer Zeit unseren Anteil an der Investkredit von 3,5 % auf 100 % erhöht.

Wailand: Wie ging es dann weiter?

Pinkl: Mitte August folgte bereits das Kick-off-Meeting für die Integration – mit dem Ziel, bis Ende 2005 die wesentlichen Entscheidungen für die Zusammenführung der Unternehmen Investkredit und ÖVAG mit Anbindung der Kommunalkredit durchgezogen zu haben. Das haben wir erreicht. Ende Jänner 2006 war die Integration abgeschlossen, wir konnten am 26. Jänner 2006 in Kufstein bereits unsere neue Werbelinie präsentieren. Trotz der großen Komplexität ist dieser Prozess sehr, sehr schnell gegangen. Viel schneller als bei vergleichbaren Transaktionen. Das, was wir in dieser Kürze geschafft haben, kann sich sehen lassen!

Wailand: Welche Rolle spielt die Investkredit in dieser neuen Positionierung?

Pinkl: Wir haben die Unternehmensfinanzierung der ÖVAG und der Investkredit in der Investkredit Bank AG zusammengefasst. Die Mitarbeiter wurden in die Investkredit integriert, was zu einem Drittel auch schon effektuiert ist. Wir haben uns damit in eine hervorragende Position gebracht, so dass österreichische Unternehmen an uns nicht mehr vorbei kommen: Wir kombinieren nun die Spezialistenrolle der Langfristfinanzierung mit der bisherigen breiten Produktpalette der ÖVAG. Damit sind wir eine Alternative zu den zwei großen Anbietern, also zur Bank Austria und zu Raiffeisen. Zusätzlich dazu haben wir vor, neue regionale Schwerpunkte durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den selbstständigen Volksbanken zu nutzen. Dafür haben wir einige Gebiete besonders im Fokus: Gestartet wurde damit in Linz; weitere Bereiche, etwa in Salzburg, werden folgen. Wir werden unser Geschäft nicht allein von Wien aus machen.

Wailand: Und im Immobilienbereich?

Pinkl: Der Immobilienbereich ist in der neuen Konzernstruktur ebenfalls in der Investkredit angesiedelt worden. Dabei haben wir eine Dreiteilung geschaffen: erstens die Finanzierung, zweitens das Leasing und die Projektentwicklung – repräsentiert durch die Immoconsult – und drittens betreibt die Europolis das Asset Management, das ein sehr werthaltiges Portfolio in Polen, Tschechien und Ungarn besitzt.

Wailand: Und die Beteiligung an der Kommunalkredit?

Pinkl: Mit der 51 %igen Beteiligung an der Kommunalkredit Austria AG sind wir die unangefochtene Nummer eins in der Kommunalfinanzierung in Österreich, die noch dazu ein sehr expansives Wachstum hat. Die weiteren 49 % hält die Dexia, eine ebenfalls sehr schnell wachsende Gruppe, die in Mittel- und Osteuropa eine gute Position erreicht hat.

Wailand: Und die Rolle der NÖ-Hypo?

Pinkl: Das ist für uns eine wichtige Beteiligung, die unsere soeben beschriebene starke Position unterstreicht.

Wailand: Sie sind auch international verankert…

Pinkl: Dank der 51 %igen Beteiligung an der Volksbank International verfügen wir über ein erstklassiges Bankennetz in Mittel- und Osteuropa. Wir sind mit eigenen Banken in acht Ländern tätig und auch mit dem Leasingbereich in zehn Ländern vertreten. In manchen Märkten haben wir schon Spitzenpositionen erreicht: In Kroatien und Bosnien sind wir die Nummer zwei, in der Slowakei sind wir an dritter Stelle in der Marktposition. Insgesamt wird die Expansion in diesen Ländern zügig vorangehen.

Wailand: Welche Entwicklung wird der Retail-Bereich im Inland nehmen?

Pinkl: Das lässt sich am Beispiel der Volksbank Wien AG und der Volksbank Linz-Mühlviertel darstellen: Die Volksbank Wien etwa ist die einzige auf den Wiener Raum konzentrierte Retail-Bank und will mit dem neuen Standort am Wiener Schottentor – einer der meistfrequentierten Plätze überhaupt – die beste Bank Wiens werden. Wir verfügen nicht über ein so weit reichendes Filialnetz wie etwa die Bank Austria, aber wir können an 36 Standorten den Kunden ein attraktives Angebot auf einem sehr hohen technologischen Niveau machen. Das Treasury, also die strukturierten Veranlagungen und die komplette Produktion von Investkredit und ÖVAG wurden in einer eigenen Einheit in der ÖVAG zusammengelegt. Wir sind bei kapitalgarantierten Produkten die Nummer eins – das ist hinlänglich bekannt – und nehmen mit der Immo-KAG auch eine führende Rolle im Bereich der Immobilienfonds ein.

Wailand: Das bedeutet: Sie sind durch die Integration der Investkredit und der neu strukturierten Geschäftsbereiche in eine neue Klasse aufgestiegen?

Pinkl: Das ist die entscheidende Konsequenz. Früher waren wir mit großem Abstand an fünfter Stelle unter Österreichs Banken, jetzt haben wir den Abstand zur Nummer vier wesentlich verringert. Mit der Investkredit ist eine ideale Ergänzung unseres Kundenportfolios gelungen, es gab wenige Überschneidungen und wir können die Kräfte bündeln. Wir verbinden die Volksbanken-Vorteile der Nähe zu den Klein- und Mittelbetrieben jetzt dank Investkredit mit neuer Stärke bei Unternehmensfinanzierungen. Da letztere auch immer großvolumiger werden, ist das punkto Risiko und Ertrag ein sehr bedeutender Schritt. Die Kommunalkredit wiederum hat das beste Rating aller österreichischen Banken, die nicht über Landeshaftungen verfügen. Das ist die notwendige Grundlage, um in diesem niedrigmargigen Bereich erfolgreich sein zu können. Die Finanzierungen funktionieren nicht nach dem 0815-Muster, sondern wir bieten strukturierte und maßgeschneiderte Produkte an.

Wailand: Damit sind Sie strategisch neu positioniert?

Pinkl: Der Konzern der ÖVAG ist jetzt auf seinen fünf Standbeinen – Unternehmensfinanzierung, Immobilien, Retail, Kommunalfinanzierung und Treasury – wesentlich breiter aufgestellt: Sowohl Ertrag als auch Kosten und Risiko sind besser verteilt. Wichtig ist dabei auch die enge Kooperation mit den mehr als 60 selbstständigen Volksbanken: Mit diesen können wir einen schlagkräftigen Marktauftritt liefern und eine viel wichtigere Rolle in der Finanzierung von Unternehmen und Kommunen spielen. Diese neue Breite ist auch ein wichtiger Vorteil bei der Erfüllung von Auflagen der Finanzmarktaufsicht, die jeder Bank – unabhängig von ihrer Größe – dieselben komplexen Systeme vorschreibt, was natürlich hohe Kosten verschlingt.

Wailand: Wo liegen Ihre neuen Ziele?

Pinkl: Das EGT im Konzern wollen wir von jetzt EUR 200 Mio. bis zum Jahr 2010 auf EUR 500 Mio. steigern. Wir wollen das Cost-Income-Ratio auf unter 60 % drücken und einen Return on Equity von mehr als 15 % im Konzern erreichen. Parallel dazu werden wir den Anteil der Mitarbeiter, die direkt in der Kundenbetreuung tätig sind, auf mindestens 50 % Prozent anheben. In der neuen Konstellation heißt unser Ziel, bei unseren Kunden Hauptbankstatus zu erlangen, was nichts anderes impliziert, als allererster Ansprechpartner bei jeder Art von Finanzierungslösung zu sein. Bei den TOP 2000-Kunden wollen wir einen Marktanteil bis zu 15 % erreichen. Derzeit liegen wir in diesem Kundensegment noch unter 10 %. Ja, wir werden künftig als „dritte Alternative“ am Markt auftreten – mit einer eindeutigen Strategie für Österreich. Wir wollen in Österreich Marktanteile gewinnen und wir werden dabei neue Perspektiven in diesem Land setzen!

Wailand: Danke für das Gespräch.